Durchgeführt von Nadine und Daniel vom LNW Berlin.

Heute kamen im Berliner Haus Phönix zum ersten Mal die neu überarbeiteten Unterlagen für die bundesweite Lotsenschulung zum Einsatz. Es war ein lebendiger und berührender Auftakt, geprägt von Offenheit, Austausch, praktischen Rollenspielen und der wichtigen Frage, wie Lots*innen andere begleiten können, ohne sich selbst aus dem Blick zu verlieren.
Schon beim Ankommen war zu spüren, dass dieser Tag etwas Besonderes werden würde. Die Teilnehmenden begegneten sich mit großer Offenheit, Neugier und der Bereitschaft, eigene Erfahrungen miteinander zu teilen. Es wurde aufmerksam zugehört, nachgefragt, gemeinsam gelacht und auch über bewegende Momente gesprochen. Die neuen Schulungsunterlagen gaben dem Tag einen hilfreichen Rahmen. So entstand eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Lernen nicht nur über den Kopf, sondern auch über das eigene Erleben möglich wurde.
Andere begleiten – und sich selbst nicht verlieren
Ein besonders wichtiger Gedanke zog sich durch die gesamte Schulung: Wer andere Menschen auf ihrem Weg begleitet, darf sich selbst dabei nicht verlieren. Die eigene Stabilität und die persönlichen Grenzen stehen deshalb an erster Stelle. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, wie sich erste Anzeichen von Überlastung wahrnehmen lassen, wie klare Absprachen und Erreichbarkeiten entlasten können und warum es kein Zeichen von Schwäche ist, rechtzeitig Unterstützung im Team oder in der Supervision zu suchen. Im Gegenteil: Gute Selbstfürsorge macht es erst möglich, anderen Menschen verlässlich und mit offenem Herzen zur Seite zu stehen.
Das große Engagement und die hohe Aufmerksamkeit der angehenden Lots*innen waren den ganzen Tag über deutlich zu spüren. Besonders schön war, mit wie viel Mut und Offenheit sie sich auf die Rollenspiele eingelassen haben. In diesem geschützten Rahmen konnten sie sich ausprobieren, erleben, wie sich unterschiedliche Situationen anfühlen, und zugleich ein noch tieferes Verständnis für die Menschen entwickeln, die sie später begleiten werden. Dabei ging es nicht darum, sofort alles richtig zu machen, sondern gemeinsam zu lernen, hinzuspüren und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Umso erfreulicher war der Wunsch nach weiteren Schulungsterminen und zusätzlichen Gelegenheiten zum Üben. Denn mit jeder Erfahrung kann mehr Sicherheit wachsen – in der eigenen Haltung und in der neuen Rolle als Lotsin oder Lotse.
Am Ende blieb nicht nur der Eindruck eines gelungenen Schulungstags, sondern auch ein Gefühl von Aufbruch und Verbundenheit. Fachliche Inhalte, persönliche Erfahrungen und praktische Übungen griffen auf eine besondere Weise ineinander. Die offenen Gespräche, das gegenseitige Vertrauen und die Bereitschaft, auch das eigene Handeln ehrlich zu betrachten, machten Mut für alles, was nun folgt. Der Auftakt im Haus Phönix hat gezeigt, wie wertvoll diese neue Schulung sein kann: als Ort des Lernens, des Ausprobierens und der Begegnung – und als starke Grundlage dafür, Menschen künftig verlässlich zu begleiten, ohne die eigene Stabilität und Fürsorge aus den Augen zu verlieren.
Nadine
Lotsin in Berlin und Brandenburg