Rund 150 Teilnehmende, aktuelle Fachbeiträge und bewegende persönliche Erfahrungen: Der 5. Suchthilfe-Fachtag des Lotsennetzwerks Berlin machte deutlich, wie stark sich die Suchthilfelandschaft verändert und welche Herausforderungen damit für die professionelle Suchthilfe und die Sucht-Selbsthilfe verbunden sind.

Am 14. September 2026 fand im Olof-Palme-Zentrum in Berlin der mittlerweile 5. Suchthilfe-Fachtag des Lotsennetzwerks Berlin statt. Unter dem Titel „Sucht im Wandel der Zeit – neue Substanzen“ widmete sich die Veranstaltung einem Thema, das angesichts neuer Drogen, veränderter Konsummuster und wachsender Anforderungen an die Suchthilfe aktueller kaum sein könnte.
Rund 150 Gäste aus der professionellen Suchthilfe, der Sucht-Selbsthilfe und angrenzenden Arbeitsfeldern waren der Einladung gefolgt. Der Fachtag bot nicht nur Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, sondern auch Raum für persönliche Begegnungen, fachliche Diskussionen und den Austausch unterschiedlicher Erfahrungen und Perspektiven.
Neue Substanzen verändern die Suchthilfelandschaft
Nach den Grußworten der Berliner Landessuchtbeauftragten Heide Mutter erwartete die Teilnehmenden ein vielseitiges und informatives Fachprogramm.
Mit Beiträgen des Drogentherapie-Zentrums Berlin, des Landeskriminalamtes Berlin und von Fixpunkt e. V. wurden unterschiedliche Aspekte der aktuellen Sucht- und Drogensituation beleuchtet.
Im Mittelpunkt standen insbesondere neue psychoaktive Substanzen, veränderte Konsumformen sowie Entwicklungen in der Party- und Chemsexszene. Auch der Wandel in der Suchttherapie und die daraus entstehenden Anforderungen an bestehende Hilfsangebote wurden thematisiert.
Die Fachbeiträge machten deutlich, dass sich nicht nur die verfügbaren Substanzen, sondern auch die Lebenssituationen und Bedürfnisse der betroffenen Menschen verändern. Für die professionelle Suchthilfe ebenso wie für die ehrenamtliche Sucht-Selbsthilfe bedeutet dies, neue Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, vorhandenes Wissen regelmäßig zu erweitern und die eigenen Unterstützungsangebote entsprechend anzupassen.

Fachwissen und Erfahrung im gemeinsamen Austausch
Ein wesentliches Anliegen des Fachtages war es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Denn erfolgreiche Suchthilfe lebt nicht allein von fachlichen Erkenntnissen, sondern ebenso von praktischer Erfahrung, gegenseitigem Verständnis und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Gerade für die ehrenamtlich tätigen Suchthilfelots*innen sind solche Veranstaltungen von besonderer Bedeutung. Sie ermöglichen es, neue Entwicklungen besser einzuordnen, Kontakte zu Fachstellen zu vertiefen und das eigene Wissen für die Begleitung hilfesuchender Menschen zu erweitern.
Der Fachtag zeigte damit erneut, wie wichtig die Vernetzung zwischen professioneller Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe ist. Beide Bereiche können voneinander lernen und sich in ihrer Arbeit sinnvoll ergänzen.
Ein persönlicher Lebensweg, der Mut macht
Ein besonderer Höhepunkt war auch in diesem Jahr der Betroffenenbericht, der dem fachlichen Programm eine sehr persönliche Perspektive verlieh.
Jacob Hoge, Koordinator für Prävention im Haus Phönix, berichtete offen und authentisch über seinen eigenen Weg aus der Suchterkrankung.
Sein Beitrag machte deutlich, dass hinter jeder Suchterkrankung ein Mensch mit einer individuellen Lebensgeschichte steht. Persönliche Erfahrungsberichte wie dieser geben der oft sachlich geführten Diskussion über Substanzen, Konsummuster und Therapieansätze eine menschliche Dimension.
Sie können Mut machen, Hoffnung vermitteln und zeigen, wie wertvoll die Erfahrungen von Menschen sind, die selbst einen Weg aus der Abhängigkeit gefunden haben.
Gerade in der Sucht-Selbsthilfe besitzt dieses Erfahrungswissen einen besonderen Stellenwert. Es schafft Vertrauen, ermöglicht Begegnungen auf Augenhöhe und kann Betroffenen neue Perspektiven eröffnen.
Gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft begegnen
Der 5. Suchthilfe-Fachtag des Lotsennetzwerks Berlin machte deutlich, dass der Wandel der Suchtlandschaft auch ein Umdenken und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Hilfsangebote erfordert.
Neue Substanzen und veränderte Konsumgewohnheiten stellen alle Beteiligten vor Herausforderungen. Gleichzeitig bieten der fachliche Austausch und die enge Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen und Initiativen die Chance, Wissen zu bündeln und bestehende Unterstützungsstrukturen zu stärken.
Eine wichtige Erkenntnis des Fachtages bleibt: So sehr sich Substanzen, Konsummuster und Therapieformen auch verändern – im Mittelpunkt der Suchthilfe steht immer der Mensch.
Für die Lotsennetzwerke bedeutet dies, weiterhin Brücken zwischen Betroffenen, professionellen Hilfsangeboten und der Sucht-Selbsthilfe zu bauen und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Dank an alle Beteiligten
Ein besonderer Dank gilt der Suchthilfestiftung Heidelberg für ihre wertvolle Unterstützung der Arbeit des Lotsennetzwerks Berlin.
Ebenso bedanken wir uns beim Olof-Palme-Zentrum für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie bei allen Referent*innen, Mitwirkenden und Gästen, die mit ihren Beiträgen, Erfahrungen und Gesprächen zum Gelingen des Fachtages beigetragen haben.
Der 5. Berliner Suchthilfe-Fachtag hat erneut gezeigt, wie wichtig solche Begegnungen für eine lebendige, vernetzte und zukunftsorientierte Suchthilfe sind.
Günter Wittek
Chefredakteur Lotsen-Aktuell
