
Mein Name ist Johannes, ich bin 25 Jahre alt und befand mich 10 Jahre lang in einer Mehrfachabhängigkeit. Heute bin ich seit über 2 Jahren clean. Nach diversen Versuchen eigenständig zu entziehen, entschied ich mich 2021 zum ersten Mal in ein Krankenhaus zur Entgiftung zu gehen. Das war mein Erstkontakt mit dem Hilfesystem. Die Abstinenz hielt allerdings nicht lange an, da ich keine Pläne für danach hatte.
Anfang 2023 entschied ich mich, aus einem persönlichen Tiefpunkt heraus eine stationäre Langzeittherapie zu machen. Im Anschluss machte ich noch eine Adaptionsbehandlung, um mich beruflich neu zu orientieren und meine Abstinenz zu festigen. Dort traf ich zum ersten Mal auf die Suchtselbsthilfe, indem ich ein Praktikum im Haus Phönix machte. Im Verlauf des Praktikums traf ich auf das Lotsennetzwerk Berlin und begann mich dort ehrenamtlich zu engagieren.
Durch das Lotsennetzwerk erhielt ich die Möglichkeit, nach meiner Adaptionsbehandlung einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen und mich weiterhin mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen. Schritt für Schritt wuchs ich in meine Rolle als Lotse. Dabei halfen mir interne Schulungen, Seminare, der Austausch mit anderen Lots*innen und der Freiraum, mich auszuprobieren.
Ich mache regelmäßig Informationsveranstaltungen in Krankenhäusern und Therapieeinrichtungen, leite Selbsthilfegruppen und begleite Klient*innen. Die Begleitungen können für beide Seiten sinnvoll sein.
Durch das Lotsennetzwerk konnte ich mich persönlich sehr weiterentwickeln.
Darüber hinaus arbeite ich mittlerweile als Betreuungshelfer in einem Entzugskrankenhaus. Mein Plan ist es, Soziale Arbeit zu studieren und mir eine Perspektive in der Suchthilfe aufzubauen.