Vernetzen bringt wertvolle Kontakte und neue Perspektiven.
Ihr seid alles Helden!
Ich begegnete Stefan im Sommer 2025 via Internet. Er wurde durch meinen „Auftritt“ meiner Selbsthilfegruppe „Recovery-Hoffnung ist ansteckend“ auf Facebook aufmerksam und schrieb mich an. Danach telefonierten wir sehr lang. Ich erzählte von mir und meiner Vergangenheit und ich erzählte von dem Lotsenprojekt. Er kannte keine Lotsen. Am Telefon erklärte ich ihm, was wir machen, dass wir auf Augenhöhe sind, dass wir mitfühlen und da sind, wenn es brennt. Im Gegenzug erzählte er von sich, von seinem Kampf mit der Sucht und seiner Doppeldiagnose Depression. Er schickte mir seine Internet-Seite und ich war überwältigt. Wir blieben in Kontakt und im März 2026 fuhr ich nach München. Das Ziel: ich stelle den „Lotsen“ seiner Gruppe vor.

Ich lernte ihn und seine Gruppe kennen. Die Mitglieder seiner Gruppe waren neugierig; fragten viel nach. „So etwas brauchen wir doch auch…“
„Ihr seid alles Helden“ sagte und sagt Stefan Friedlein. Er ist Gruppenleiter einer Selbsthilfegruppe in der Nähe von München. Er leitet seine Gruppe seit Juni 2021; mittlerweile sind es 12 Mitglieder. Die Menschen kämpfen gegen den Teufel Alkohol und anderen Drogen. Stefan hat für den von mir benannten „Teufel“ noch ein eigenes Wort gefunden: er nennt ihn mehr als treffend: „den Täuscher!“
Als Stefan die Gruppe gründete war er von den Geschichten jedes einzelnen sehr betroffen. Er sagte nach einiger Zeit: „ihr seid alles Helden“. Jeden einzelnen Tag kämpfen wir gegen die Sucht. Aber das ist nicht der einzige Kampf. Der Kampf gegen die Stigmatisierung der Gesellschaft ist genauso hart – an manchen Tagen vielleicht härter. Die Kraft ist ausschöpfend und erschöpfend. Jeder Mensch, der mit dem Rauchen aufhört, wird auf einen Thron gesetzt; die Menschen, die sich Hilfe holen um einen Entzug zu vollziehen und sich dann die Therapie zu begeben werden eher gemieden. Wir überlegen sehr genau: mit wem wir über was reden. Einsam unter Menschen ist oft nicht zu ertragen. Auch für mich als Lotsin ist es oft nicht einfach der Gesellschaft zu sagen, was wir als Lotsen machen. Denn das bedeutet auch für mich, ich muss mich outen.

Aber ich lernte noch viel mehr kennen. Eine ganz besondere Ausstellung. Eine ganz besondere Form der Selbsthilfe! Respect vs. Stigma. Der Link hierzu ist www.respect-vs-stigma.org Nach meiner Rückkehr aus München habe ich mich direkt mit Günter in Verbindung gesetzt und der hat in seiner Eigenschaft als bundesweiter Koordinator kontakt zu Stefan aufgenommen. Im Juni ist ein Treffen in München geplant.
Nadine Basler
Lotsin und Redakteurin